St. Gallen liegt nicht am Wasser, sondern darüber: Auf rund 700 Metern über Meer, in den Hügeln zwischen Bodensee und Alpstein, wuchs aus einer Klause des irischen Mönchs Gallus im Lauf von über tausend Jahren eine Stadt mit Steigungen, Treppen und einem Klosterbezirk, der seit 1983 zum UNESCO-Welterbe zählt. 78'863 Menschen wohnen hier (Stand 31. Dezember 2024), dazu kommen täglich Tausende Studierende der Universität St. Gallen und Pendler aus der ganzen Ostschweiz. Wer den Bahnhof verlässt, braucht keine zehn Minuten bis zur Kathedrale, und keine dreissig bis zu den Badeweihern über der Stadt.
Vom Klausner zur Reichsstadt
Die Gründungslegende datiert auf das Jahr 612: Der irische Wandermönch Gallus soll bei der Steinach über eine Dornenhecke gestolpert sein und das als Zeichen gedeutet haben, an dieser Stelle zu bleiben. Historisch gesichert ist die Gründung der Abtei erst für das Jahr 719, durch den alemannischen Priester Otmar. Um das Kloster wuchs eine Handwerker- und Händlersiedlung, die sich im Hochmittelalter zur Reichsstadt entwickelte und mit der Reformation im 16. Jahrhundert einen jahrhundertelangen Gegensatz zum katholischen Fürstabt einging, der weiterhin innerhalb derselben Mauern residierte. Die Kloster- und Bibliotheksanlage, seit der Aufhebung des Klosters 1805 im Besitz des Kantons, wurde 1983 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Ihre heutige Ausdehnung von knapp 40 Quadratkilometern erhielt die Stadt erst 1918, mit der Fusion der bis dahin eigenständigen Gemeinden Straubenzell und Tablat.
Der Stiftsbezirk: Bibliothek, Kathedrale, Pantoffeln
Im Zentrum des UNESCO-Welterbes steht die Stiftsbibliothek, eine der ältesten Bibliotheken der Welt mit Beständen, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen. Weil der historische Holzboden empfindlich ist, ziehen Besucherinnen und Besucher beim Eintritt Filzpantoffeln über die Schuhe. Die Bibliothek ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 16.45 Uhr, der Erwachseneneintritt kostet 18 Franken, Studierende und Schüler zahlen 12 Franken. Das Ticket gilt zugleich für den Gewölbekeller und den Ausstellungssaal. Neben der Bibliothek stehen die barocke Kathedrale und die Klosteranlage, die dem Bistum St. Gallen seit 1848 als Bischofssitz dient.
Direkt an den Stiftsbezirk grenzt die Altstadt mit ihren geschnitzten Holzerkern, die wohlhabende Sticker-Fabrikanten und Kaufleute vom 16. bis ins 18. Jahrhundert an ihre Häuser bauen liessen. Die engen Gassen rund um Marktplatz und Gallusplatz sind heute Fussgängerzone, an den Wochentagen mit den Ständen des täglichen Markts belegt.
Baden über der Stadt: die Drei Weieren
Oberhalb der Altstadt, im Quartier St. Georgen, liegen die Drei Weieren, umgangssprachlich «Weiärä» oder Dreilinden genannt. Die künstlich angelegten Teiche entstanden ab 1610 zur Wasserversorgung der Stadt und der Textilbleichen und dienten später als Feuerlöschreserve, bevor sie zum Naherholungsgebiet wurden. Von den ursprünglich fünf Weihern sind heute vier erhalten, darunter der Mannenweiher mit dem gratis zugänglichen Gemeinschaftsbad Dreilinden und der Chrüzweiher mit dem Familienbad Dreilinden, dessen Eintritt 5.50 CHF kostet und das einen separaten Frauenbereich hat. Erschlossen ist das Gebiet durch die Mühleggbahn, eine automatische Standseilbahn, die im Fünf- bis Sechs-Minuten-Takt vom Müllertor nach St. Georgen fährt, sowie durch den Stadtbus 6 und im Sommer durch einen kostenlosen Bäderbus ab Bahnhof. Ein Rundweg um die Weiherlandschaft öffnet den Blick über die Stadt bis zum Bodensee.
Museen: Textil, Kunst, Natur
St. Gallens Industriegeschichte ist die der Stickerei, und das Textilmuseum an der Vadianstrasse zeigt sie mit rund 30'000 Objekten: Geweben aus ägyptischen Grabfunden, Musterbüchern und einer noch funktionsfähigen Handstickmaschine von 1890, die donnerstags und freitags in Betrieb vorgeführt wird. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet 12 Franken für Erwachsene und 5 Franken für Studierende und Jugendliche bis 18. Ab dem 1. Juni 2026 bleibt das Museum montags geschlossen.
Das 1877 gegründete Kunstmuseum St. Gallen zeigt Malerei und Skulptur vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart, das benachbarte Kulturmuseum widmet sich der Stadt-, Kultur- und Naturgeschichte der Region. Wer es konkreter mag, findet im Naturmuseum im Stadtteil Neudorf, das dort seit November 2016 untergebracht ist, die naturkundliche Sammlung der Stadt.
Konzerte zwischen Grabenhalle und Tonhalle
Für Rock, Indie und Alternative-Konzerte ist die Grabenhalle die feste Grösse der Stadt, eine Kulturhalle für bis zu 450 Besucherinnen und Besucher, die 2024 ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Das Palace, ein ehemaliges Kino am Blumenbergplatz, kombiniert Konzerte mit Diskussionsveranstaltungen. Klassik hat ihren Ort in der Tonhalle, wo das Sinfonieorchester St. Gallen unter seinem seit 2018 amtierenden Chefdirigenten Modestas Pitrenas spielt, während das Theater St. Gallen zusätzlich die St. Galler Festspiele ausrichtet, eine Freilicht-Opernproduktion im Klosterhof des Stiftsbezirks.
Olma, Wochenmarkt und Kinderfest
Rund um den Marktplatz öffnen von Montag bis Samstag Marktstände, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags bis 17 Uhr. Am Mittwoch und Samstag kommen zusätzliche Stände des Wochenmarkts dazu.
Die Olma, die Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung, findet seit 1943 jeden Herbst auf dem Olma-Messegelände statt, elf Tage lang, mit über 300'000 Besucherinnen und Besuchern jährlich. 2026 dauert sie vom 8. bis 18. Oktober, Gastkanton ist Schwyz. Zum festen Programm gehören der Umzug des Gastkantons durch die Innenstadt, das Säuli-Rennen und die Olma-Bratwurst. Im Frühling folgt mit der OFFA die zweite grosse Publikumsmesse der Stadt, seit 1978. Alle drei Jahre zieht ausserdem das St. Galler Kinderfest durch die Strassen, ein Umzug mit Auftritten von Schulkindern aus der ganzen Stadt, der auf einen früheren Präsentationsumzug der Textilindustrie zurückgeht.
FC St. Gallen und das Stadion im Westen
Der FC St. Gallen 1879 gilt als zweitältester noch bestehender Fussballklub auf dem europäischen Festland. Seine Heimspiele trägt er im Stadion im Westen der Stadt aus, das 19'694 Plätze fasst und bis zur Saison 2025/26 als Kybunpark firmierte, seit der Saison 2026/27 unter dem Namen Berit Sitterstadion. Mit 652 Metern über Meer ist es das höchstgelegene Stadion im Schweizer Profifussball. In der Saison 2022/23 kamen im Schnitt 17'575 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Heimspiel, mehrmals war das Stadion ausverkauft.
Universitätsstadt und Wirtschaftszentrum
St. Gallen ist seit 1995 offiziell Universitätsstadt, getragen von der Universität St. Gallen (HSG), einer der bekanntesten Wirtschaftsuniversitäten Europas. Nach Zürich braucht man von St. Gallen aus mit dem Zug rund eine Stunde, mit dem Auto über die A1 ebenfalls. Die einstige Weltgeltung der Stadt als Zentrum der Stickereiindustrie ist heute vor allem im Textilmuseum und im Stadtbild ablesbar, wirtschaftlich hat sich St. Gallen zum Dienstleistungs- und Versicherungsstandort der Ostschweiz entwickelt, mit Sitz des Bundesverwaltungsgerichts seit 2012.
Anreise und Alltag
Vier Fernverkehrszüge pro Stunde verbinden St. Gallen seit 2019 mit Zürich, die schnellste Fahrt dauert rund 47 Minuten. Der Bahnhof, seit 2018 umgebaut, ist auch Ausgangspunkt der S-Bahn St. Gallen mit Halbstundentakt an den grösseren Bahnhöfen im Kanton. In der Stadt selbst verkehren Trolleybusse und Busse der VBSG, die Innenstadt ist auf kurzen Wegen zu Fuss zu erschliessen, wenn auch mit spürbaren Höhenunterschieden zwischen Bahnhof, Altstadt und den höher gelegenen Quartieren wie St. Georgen.
Was sich mit den Jahreszeiten ändert
Im Winter frieren die Drei Weieren gelegentlich zu, dann wird auf dem Eis Schlittschuh gelaufen. Im Sommer sind Mannenweiher und Familienbad Ziel für den Feierabend, während im Freien auf dem Klosterhof die St. Galler Festspiele stattfinden. Der Herbst gehört der Olma, mit Jahrmarkt und Tierschauen auf dem Messegelände, der Frühling der OFFA. Um Weihnachten öffnet der St. Galler Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Wer im Sommer baden will, ohne die ganze Altstadt zu durchqueren, fährt mit der Mühleggbahn direkt zu den Weihern; wer im Herbst zur Olma will, kommt am besten zu Fuss oder mit dem Bus, weil das Gelände beim Rosenbergtunnel dann stark befahren ist.
Häufige Fragen
Was kostet der Eintritt in die Stiftsbibliothek St. Gallen?
Erwachsene zahlen 18 Franken, Studierende und Schüler 12 Franken. Das Ticket gilt auch für den Gewölbekeller und den Ausstellungssaal. Die Bibliothek ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, letzter Einlass 16.45 Uhr. Quelle
Wie kommt man zu den Drei Weieren?
Mit der Mühleggbahn vom Müllertor, im Fünf- bis Sechs-Minuten-Takt, oder mit dem Stadtbus 6. Im Sommer verkehrt zusätzlich ein kostenloser Bäderbus ab Bahnhof. Quelle
Wann findet die Olma 2026 statt?
Vom 8. bis 18. Oktober 2026, Gastkanton ist Schwyz. Die Messe dauert elf Tage. Quelle
Kann man in St. Gallen gratis baden?
Ja, das Gemeinschaftsbad Dreilinden am Mannenweiher ist frei und kostenlos zugänglich. Das Familienbad Dreilinden am Chrüzweiher ist kostenpflichtig. Quelle
Wie lange dauert die Zugfahrt von St. Gallen nach Zürich?
Die schnellste Verbindung dauert rund 47 Minuten, im Schnitt etwas mehr. Seit 2019 verkehren vier Fernverkehrszüge pro Stunde. Quelle
Wann ist Wochenmarkt in St. Gallen?
Marktstände rund um den Marktplatz öffnen Montag bis Samstag, montags bis freitags 8 bis 18 Uhr, samstags bis 17 Uhr. Zusätzliche Wochenmarkt-Stände kommen mittwochs und samstags dazu. Quelle



