Bern liegt auf 542 Metern über Meer in einer Schleife der Aare, und diese Schleife erklärt den halben Stadtgrundriss. Die mittelalterliche Stadt konnte nur nach Westen wachsen, deshalb liegen die Gassen in parallelen Reihen hintereinander. Seit 1983 steht die Altstadt auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Ende 2025 waren 146'867 Personen in der Stadt angemeldet. Bern ist Hauptort des Kantons Bern und Sitz von Bundesrat, Parlament und Bundesverwaltung und damit das grösste Zentrum öffentlicher Verwaltung der Schweiz.

Kanton
Bern (BE), Bern ist Hauptort
Einwohner
146'867 (Ende 2025, Statistik Stadt Bern)
Agglomeration
422'706 Personen in 70 Gemeinden (2021)
Fläche
51,60 km², 15 km lang in West-Ost-Richtung
Höhe
542 m ü. M. (höchster Punkt der Gemeinde: 674 m im Könizbergwald)
Gegründet
1191 durch Berchtold V. von Zähringen, erste urkundliche Nennung des Namens 1208
Sprache
Amtssprache Deutsch, gesprochen wird Berndeutsch. 2020 nannten 82,1 % Deutsch als Hauptsprache, 7,9 % Englisch, 6,7 % Französisch, 4,7 % Italienisch.
UNESCO-Welterbe
Altstadt seit 1983 eingetragen

Geschichte in Stichdaten

Die Cronica de Berno nennt 1191 als Gründungsjahr, Bauherr war Herzog Berchtold V. von Zähringen. 1218 wurde Bern Freie Reichsstadt, 1353 trat es der Eidgenossenschaft bei. Der Stadtbrand von 1405 zerstörte grosse Teile der hölzernen Stadt, danach baute man in Sandstein, und das prägt das Bild bis heute. 1528 setzte sich die Reformation durch, 1536 eroberte Bern die Waadt und war damit der grösste Stadtstaat nördlich der Alpen. 1798 marschierten französische Truppen ein, Bern verlor Waadt und Aargau. 1848 fiel die Wahl der Bundesversammlung auf Bern als Sitz der Bundesbehörden, ausdrücklich nicht als Hauptstadt: Man wollte die Macht nicht an einem einzigen Ort bündeln. 1983 nahm die UNESCO die Altstadt ins Welterbe auf und begründete das damit, dass Bern seine mittelalterliche Struktur bewahrt und sie zugleich an die Aufgaben einer modernen Regierungsstadt angepasst habe.

Das Bundeshaus am Bundesplatz. Der Bau nach Plänen von Hans Wilhelm Auer wurde 1902 vollendet.

Das Bundeshaus steht an der Südflanke der Altstadt, auf der anderen Seite liegt die Bundesterrasse mit Blick über die Aare. Das erste Bundesrathaus wurde 1857 eingeweiht, der heutige Bau nach Plänen von Hans Wilhelm Auer 1902 vollendet. Von innen sehen kann man das Gebäude nur mit einer Führung. Die Führungen sind kostenlos, dauern höchstens 60 Minuten und finden in der sessionsfreien Zeit von Dienstag bis Samstag auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch statt. Reservieren lässt sich frühestens drei Tage im Voraus, pro Führung stehen 30 Plätze zur Verfügung. Wer über 16 ist, muss einen amtlichen Ausweis mit Foto vorweisen, dazu kommt eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor. Während der Sessionen fallen die Führungen aus. Dafür kann man dann von der Zuschauertribüne aus den Debatten folgen, Einzelpersonen ohne Anmeldung. Details und die Reservationsplattform stehen auf parlament.ch.

Die Altstadt: Lauben, Brunnen, Zytglogge

Die Lauben, also die überdeckten Arkaden entlang der Gassen, ziehen sich über gut sechs Kilometer und bilden damit eine der längsten gedeckten Einkaufsstrassen Europas. Bei Regen ein Vorteil, an einem Samstagvormittag ein Gedränge. Am besten erhalten ist der Altstadtcharakter unterhalb der Zytglogge, weiter westlich stehen kaum noch Bauten, die älter als 150 Jahre sind. In der Stadt gibt es über hundert Brunnen, darunter elf Figurenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert; der Stadtbach verbindet sie bis heute unter- und oberirdisch. Die Zytglogge selbst war bis 1256 das Westtor der Stadtbefestigung, vor dem Brand von 1405 diente sie als Gefängnis. Astronomische Uhr und Figurenspiel stammen von 1530. Vier Minuten vor der vollen Stunde kräht der goldene Hahn, dann dreht der Bärenzug seine Runde, der Narr läutet die Stunde zu früh ein, und Chronos wendet die Sanduhr. Das Ganze dauert rund eine Minute, wer es sehen will, steht besser fünf Minuten vorher da.

Der Gerechtigkeitsbrunnen von Hans Gieng, 1543. Zu Füssen der Justitia sitzen Papst, Kaiser, Sultan und Schultheiss.Foto: Joachim Kohler (Quelle, CC BY-SA)

Der Gerechtigkeitsbrunnen steht mitten in der 260 Meter langen Gerechtigkeitsgasse. Hans Gieng schuf ihn 1543, achteckig, aus Kalkstein. Die Justitia trägt eine Augenbinde, hält Schwert und Waage, und zu ihren Füssen sitzen Papst, Kaiser, Sultan und Schultheiss. Für das Bern der Reformationszeit war das eine politische Aussage: Recht steht über weltlicher und geistlicher Macht. Der Brunnen ist der einzige in Bern, der alle ursprünglichen Gestaltungselemente behalten hat. Ruhig hatte er es trotzdem nie. 1798 verschwanden Waage und Schwert und wurden erst im Oktober 1845 ersetzt, am 13. Oktober 1986 stürzte jemand die Statue vom Sockel und beschädigte sie schwer.

Das Rathaus am Rathausplatz, gebaut von 1406 bis 1417. Hier tagen Grosser Rat, Regierungsrat und Stadtrat.

Das Rathaus am Rathausplatz wurde von 1406 bis 1417 im spätgotischen Stil gebaut, unter Heinrich von Gengenbach und dem Rottweiler Zimmermann Hans Hetzel. In Betrieb war es schon 1414. Die Halle im Erdgeschoss diente als Markt- und Gerichtshalle, damals zählte die Stadt rund 5000 bis 6000 Einwohner. Politisch ist das Haus bis heute doppelt belegt: Der Grosse Rat des Kantons Bern tagt hier zu vier Sessionen im Jahr, der Regierungsrat trifft sich mittwochs, und jeden zweiten Donnerstagabend tagt der Stadtrat, das 80-köpfige Parlament der Stadt. Dessen Sitzungen sind öffentlich. Wenn das Kantonsparlament tagt, weht die Berner Fahne auf dem Dach. Ein neugotischer Umbau folgte von 1865 bis 1868, das heutige Gepräge stammt aus dem Umbau von 1940 bis 1942.

Bern heute

Ende 2025 lebten 146'867 Personen in der Stadt, ein Viertel davon ohne Schweizer Pass. Die grössten Gruppen kommen aus Deutschland und Italien. Die Gemeinde ist mit 51,6 Quadratkilometern nicht gross, zieht sich aber 15 Kilometer weit nach Westen bis Bümpliz und Oberbottigen. Gearbeitet wird hier vor allem im Dienstleistungssektor: 2018 zählte die Statistik rund 188'250 Beschäftigte, jede achte beschäftigte Person arbeitete für die öffentliche Verwaltung, die Verteidigung oder die Sozialversicherung. Die Universität Bern hatte im Herbstsemester 2019 rund 18'500 Studierende. Politisch ist die Stadt seit den Gemeindewahlen von 1992 durchgehend links-grün regiert, während die Agglomeration bürgerlicher wählt. Und Bern ist teuer: Die Stadt wird seit Jahren zusammen mit Zürich und Genf unter den Städten mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten geführt. Details zu allen Zahlen stehen bei Statistik Stadt Bern.

Die Altstadt liegt in einer nach Osten ausgreifenden Schleife der Aare, die sich hier 30 bis 50 Meter tief in die Umgebung eingesenkt hat.Foto: CucombreLibre (Quelle, CC BY-SA)
Der Münsterturm misst 100,6 Meter und ist der höchste Kirchturm der Schweiz. Vollendet wurde er erst zwischen 1889 und 1893.

Praktisches

Der Bahnhof Bern liegt am westlichen Ende der Altstadt, zur Zytglogge sind es wenige Gehminuten. Mit rund 150'000 Reisenden pro Tag ist er nach dem Zürcher Hauptbahnhof der meistfrequentierte Bahnhof der Schweiz. Die schnellsten Züge nach Zürich und nach Basel brauchen je 56 Minuten. Die S-Bahn Bern erschliesst mit 13 Linien Thun, das Emmental, Biel, Solothurn, Neuenburg, Freiburg und Schwarzenburg. In der Stadt fährt Bernmobil fünf Tram-, drei Trolleybus- und fünfzehn Autobuslinien. Wer mit dem Auto kommt, sollte umdenken: Die Stadt hat beschlossen, auf den meisten Strassen Tempo 30 einzuführen und die Hälfte der rund 17'000 öffentlichen Parkplätze aufzuheben. In den Altstadtgassen zu parkieren ist ohnehin keine gute Idee. Zum Flughafen Bern-Belp sind es knapp zehn Kilometer, Linienflüge gibt es dort seit 2018 keine mehr.

Häufige Fragen

Ist Bern die Hauptstadt der Schweiz?

Formell nicht. Bern ist Bundesstadt und nimmt für die Schweiz die Funktion der Hauptstadt wahr. 1848 einigte man sich darauf, statt einer Hauptstadt nur einen Sitz für Bundesrat, Bundesversammlung und Bundesverwaltung zu bestimmen, weil man die Macht nicht an einem Ort konzentrieren wollte. Die Wahl der Bundesversammlung fiel auf Bern. Mehr dazu bei Wikipedia.

Kann man das Bundeshaus von innen besichtigen?

Ja, aber nur mit einer Führung. Sie ist kostenlos, dauert maximal 60 Minuten und findet in der sessionsfreien Zeit von Dienstag bis Samstag auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch statt. Reservation online, frühestens drei Tage im Voraus, 30 Plätze pro Führung. Ab 16 Jahren braucht es einen amtlichen Ausweis mit Foto. Während der Sessionen gibt es keine Führungen, dann kann man aber von der Zuschauertribüne aus den Debatten folgen, als Einzelperson ohne Anmeldung. Alles auf parlament.ch.

Wie hoch ist der Münsterturm und kann man ihn besteigen?

Der Turm misst 100,6 Meter und ist damit der höchste Kirchturm der Schweiz. Der Grundstein für das Münster wurde 1421 gelegt, der Turmbau 1521 auf knapp 61 Metern abgebrochen und erst von 1889 bis 1893 vollendet. 222 Stufen führen zur ersten Galerie auf 46 Metern, weitere 90 Stufen zur zweiten Galerie auf 64 Metern, die ebenfalls öffentlich zugänglich ist.

Kostet das Marzilibad Eintritt?

Nein. Die Freibäder in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sind in der Stadt Bern bis auf wenige Ausnahmen kostenlos, anders als in den meisten anderen Schweizer Städten. Das Marzilibad liegt direkt an der Aare unterhalb der Bundesterrasse.

Wie lange dauert die Zugfahrt von Zürich nach Bern?

Die schnellsten Direktverbindungen brauchen 56 Minuten für die 96 Kilometer, tagsüber fahren die Züge im Halbstundentakt. Nach Basel SBB dauert es ebenfalls 56 Minuten. Massgebend ist immer der aktuelle Fahrplan der SBB.

Wann findet der Zibelemärit statt?

Jedes Jahr am vierten Montag im November. Verkauft werden vor allem Zwiebeln, rund 30 Tonnen an über 600 Marktständen. Viele Besucherinnen und Besucher reisen schon früh am Morgen an. Konfetti und Plastikhämmerchen gehören dazu, der Zibelemärit ist der grösste Markt der Stadt und einer der ältesten Jahrmärkte der Schweiz.

Wann läuft das Figurenspiel an der Zytglogge?

Vier Minuten vor jeder vollen Stunde. Zuerst kräht der goldene Hahn, dann dreht der Bärenzug seine Runde, der Narr läutet die Stunde absichtlich zu früh ein, Chronos wendet die Sanduhr und am Schluss kräht der Hahn nochmals. Das Spielwerk stammt zusammen mit der astronomischen Uhr aus dem Jahr 1530. Das Ganze dauert etwa eine Minute, also besser fünf Minuten vorher dastehen.

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