Lausanne staffelt sich über dem Genfersee: von 373 Metern in Ouchy am Wasser bis auf über 700 Meter in den nördlichen Quartieren ist hier praktisch nichts eben. Mit 144'873 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) ist die Stadt nach Zürich, Genf und Basel die viertgrösste Gemeinde der Schweiz und die Hauptstadt des Kantons Waadt. Seit 1994 trägt sie den offiziellen Titel «Olympische Hauptstadt», weil das Internationale Olympische Komitee hier seinen Sitz hat, ebenso das Schweizer Bundesgericht und der Internationale Sportgerichtshof. Wer die Stadt besucht oder hier lebt, braucht vor allem eines: gute Beine oder ein Metroticket.
Vom Bischofssitz zur Republik Bern
Im Mittelalter zog sich Lausanne auf die Hügel Cité, Bourg und Saint-Laurent zurück, getrennt durch die heute grösstenteils überdeckten Bachtäler von Louve und Flon. Auf dem Hügel der Cité entstand ab dem 12. Jahrhundert die Kathedrale Notre-Dame. Bis 1536 war Lausanne Bischofssitz, dann wurde die Stadt Untertanengebiet der Republik Bern, was bei Teilen der Bevölkerung Widerstand weckte. Aus jener Zeit hat sich eine Tradition erhalten, die es sonst kaum irgendwo mehr gibt: Jede Nacht zwischen 22 und 2 Uhr ruft der Guet, der Türmer der Kathedrale, vom Glockenturm aus die Stunden über die Dächer der Stadt. Der Brauch reicht bis ins Jahr 1405 zurück.
Genfersee, Freibäder und der Wald über der Stadt
In Ouchy, dem alten Hafenquartier am See, legen die Kursschiffe ab. Wer im Sommer schwimmen will, geht ins Bellerive-Plage an der Avenue de Rhodanie: Das Freibad ist seit 1937 in Betrieb, zählt zu den Kulturgütern von nationaler Bedeutung und zieht an heissen Tagen bis zu 8'000 Menschen an, mit drei grossen Becken und einem Zehn-Meter-Sprungturm. 2026 ist es vom 14. Mai bis zum 13. September geöffnet. Oben in der Stadt, im 80 Hektaren grossen Waldgebiet von Sauvabelin, liegt ein zweites Gewässer: der künstlich angelegte Sauvabelin-See, um den Enten und Wildschweine leben. Von der Tour de Sauvabelin, einem 35 Meter hohen Holzturm, reicht der Blick über die Stadt bis zum See.
Kathedrale, Plateforme 10 und Art Brut
Die Kathedrale Notre-Dame auf dem Hügel der Cité ist täglich geöffnet: von April bis September von 9 bis 19 Uhr, von Oktober bis März von 9 bis 17.30 Uhr. Der Zugang zum Kirchenschiff ist frei, sonntagvormittags während des Gottesdiensts finden keine touristischen Besichtigungen statt. Direkt beim Bahnhof bündelt Plateforme 10 seit 2019 drei kantonale Museen und zwei Stiftungen auf fast 25'000 Quadratmetern: das Musée cantonal des Beaux-Arts (MCBA), das mudac für Design und Photo Elysée für Fotografie. Ganz anders, aber ebenso sehenswert, ist die Collection de l'Art Brut an der Avenue des Bergières: Sie geht auf eine Schenkung des Künstlers Jean Dubuffet an die Stadt Lausanne von 1971 zurück und zeigt Werke von Autodidakten wie Aloïse Corbaz, Augustin Lesage oder Auguste Walla, entstanden ausserhalb jeder akademischen Tradition.
Mit Kindern: AQUATIS und der Wald von Sauvabelin
Im oberen Teil der Stadt, direkt bei der Metrostation Vennes der Linie M2, liegt das AQUATIS Aquarium-Vivarium an der Route de Berne 144. Auf zwei Stockwerken und 3'500 Quadratmetern führt ein Rundgang entlang eines Süsswassertropfens durch fünf Kontinente, vorbei an 46 Aquarien, Vivarien und Terrarien mit rund 10'000 Fischen und rund 100 Reptilien und Amphibien. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass um 17.10 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 32 Franken, für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren 28 Franken, für Kinder von 5 bis 15 Jahren 22 Franken, für AHV- und IV-Bezügerinnen und -Bezüger 25 Franken, eine Familienkarte 89 Franken. Wer mit Kindern lieber draussen bleibt, findet in Sauvabelin den grössten Spielplatz der Stadt aus Naturholz sowie Ziegen und Wollschweine zum Beobachten.
Fussball, Eishockey und die olympische Hauptstadt
Der FC Lausanne-Sport, 1896 gegründet und einer der ältesten Fussballklubs Europas, spielt seine Heimspiele im Stade de la Tuilière mit 12'544 Plätzen, aktuell in der Super League. Der Lausanne Hockey Club, gegründet 1922, trägt seine Partien in der National League seit September 2019 in der rund 10'000 Plätze fassenden Vaudoise Aréna in Prilly aus. Dass Lausanne sich seit 1994 offiziell olympische Hauptstadt nennen darf, hängt mit dem Sitz des Internationalen Olympischen Komitees zusammen. Das Olympische Museum am Quai d'Ouchy 1 dokumentiert diese Geschichte: geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 9 bis 18 Uhr, montags geschlossen (ausser an Feiertagen), zusätzlich geschlossen am 23., 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar. Der Eintritt kostet 20.- CHF und ist für Kinder bis 15 Jahre kostenlos.
Markt, Trödel und das Flon nach Einbruch der Dunkelheit
Zweimal pro Woche, mittwochs und samstags von 8.30 bis 13 Uhr, verwandelt der Marché du centre-ville die Place de la Riponne, die Rue Centrale, die Place Saint-François und die Place de la Palud in einen Markt mit Ständen für Gemüse, Käse und Blumen. Dienstags und donnerstags stehen an der Place Chauderon rund zehn Trödel- und Vintage-Stände. Nach Einbruch der Dunkelheit verlagert sich das Leben ins Flon, das ehemalige Lagerhausviertel zwischen Bahnhof und Altstadt: In den umgebauten Industriehallen reihen sich heute Bars, Clubs und Boutiquen, erreichbar über die gleichnamige Metrostation der Linien M1 und M2.
Unterwegs: die einzige echte Metro der Schweiz
Die Lausanner Metro verkehrt seit 1991 auf zwei Linien mit insgesamt 28 Stationen. Die M2 überwindet zwischen Ouchy am See und den nördlichen Quartieren einen Höhenunterschied von 336 Metern, ein Rekord für ein U-Bahn-System dieser Art. Die M1 verbindet die Innenstadt mit den Universitätsgeländen der UNIL und der ETH-Lausanne EPFL sowie mit dem Bahnknoten Renens. Vom Hauptbahnhof bestehen direkte Zugverbindungen nach Genf, Bern und Zürich.
Häufige Fragen
Wie komme ich vom Bahnhof zum Genfersee?
Mit der Metro M2 bis zur Endstation Ouchy-Olympique, direkt am See.
Was kostet der Eintritt ins AQUATIS?
Erwachsene zahlen 32 Franken, Jugendliche von 16 bis 20 Jahren 28 Franken, Kinder von 5 bis 15 Jahren 22 Franken. Details unter aquatis.ch.
Wann findet der Markt in Lausanne statt?
Mittwochs und samstags von 8.30 bis 13 Uhr, vor allem an der Place de la Riponne und in den Gassen der Altstadt.
Ist der Eintritt in die Kathedrale kostenlos?
Ja, das Kirchenschiff ist frei zugänglich. Geöffnet ist täglich, von April bis September 9 bis 19 Uhr, von Oktober bis März 9 bis 17.30 Uhr.
Wo kann man in Lausanne im See baden?
Im Freibad Bellerive-Plage an der Avenue de Rhodanie, 2026 geöffnet vom 14. Mai bis 13. September.
Was zeigt die Collection de l'Art Brut?
Werke von Autodidaktinnen und Autodidakten ausserhalb der akademischen Kunsttradition, unter anderem von Aloïse Corbaz und Augustin Lesage. Die Sammlung geht auf eine Schenkung von Jean Dubuffet an die Stadt Lausanne von 1971 zurück.
Wie viele Stationen hat die Lausanner Metro?
28 Stationen auf zwei Linien. Die M2 überwindet dabei 336 Höhenmeter zwischen dem Genfersee und den oberen Quartieren.



