Genf liegt am südwestlichen Ende des Genfersees, dort wo die Rhone abfliesst. 206'635 Menschen leben auf 15,89 Quadratkilometern, das sind 13'004 Einwohner pro Quadratkilometer und damit die höchste Dichte aller Schweizer Gemeinden. 50,1 Prozent von ihnen haben keinen Schweizer Pass (Stand 31. Dezember 2023), ein Wert, den in der Schweiz sonst nur Basel und Lausanne erreichen. Amtssprache ist Französisch. Genf ist Hauptort des gleichnamigen Kantons und nach Zürich die zweitgrösste Stadt des Landes.

Kanton
Genf (GE), Genf ist Hauptort
Einwohner
206'635 (31.12.2023)
Fläche
15,89 km²
Bevölkerungsdichte
13'004 Einwohner pro km², höchster Wert der Schweiz
Ohne Schweizer Pass
50,1 Prozent (31.12.2023)
Amtssprache
Französisch
Beitritt zur Eidgenossenschaft
12. September 1814, als 22. Kanton
Stadtbezirke
4: Cité, Plainpalais, Eaux-Vives, Petit-Saconnex
Internationale Organisationen
34, dazu 175 vertretene Staaten

Vom Bischofssitz zum 22. Kanton

Caesar erwähnt den Ort 58 v. Chr. als Genava. Von 400 bis 1536 war Genf Bischofssitz, ab 1026 gehörte es zum burgundischen Reichsteil des Heiligen Römischen Reichs. 1536 führte die Stadt nach den Predigten von Guillaume Farel die Reformation ein und rief die Republik Genf aus. Johannes Calvin gründete 1559 die Genfer Akademie, aus der die Universität Genf hervorging. In einer Dezembernacht 1602 scheiterte der savoyische Überfall auf die Stadtmauern. Gefeiert wird das bis heute jedes Jahr am 12. Dezember als Escalade.

1798 annektierte Frankreich Genf, die Stadt wurde Hauptort des Départements Léman. Am 31. Dezember 1813 besetzten österreichische Truppen die Stadt, worauf Genf um Aufnahme in die Eidgenossenschaft bat. Am 12. September 1814 bestätigte die Tagsatzung den Beitritt als 22. Kanton, der Vereinigungsvertrag wurde am 19. Mai 1815 unterzeichnet.

Das Monument national von Robert Dorer, eingeweiht 1869. Die Figur mit der zinnenbewehrten Kopfbedeckung steht für die Republik Genf, die zweite für Helvetia.Foto: Daniel Jolivet (Quelle, CC BY)

Das Monument national steht im Jardin anglais, am Fuss der Mont-Blanc-Brücke. Robert Dorer entwarf die Bronzegruppe, eingeweiht wurde sie 1869. Sie erinnert an den Anschluss Genfs an die Eidgenossenschaft vom 12. September 1814, gefeiert an den Fêtes de Septembre von 1864 und 1869. Im selben Park steht seit 1955 die Blumenuhr.

Kathedrale Saint-Pierre und Altstadt

Die Kathedrale Saint-Pierre über der Altstadt. Die Säulenfassade stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und ersetzte die mittelalterliche.Foto: Wouter Hagens (Quelle, CC BY)

Der Bau der Kathedrale begann 1160 und zog sich über rund ein Jahrhundert. Brände und Umbauten haben romanische, gotische und neoklassizistische Teile übereinandergelegt, die heutige Fassade stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit der Reformation verschwand der gemalte Innenschmuck, nur die Fenster blieben verschont. 157 Stufen führen auf den Nordturm, in dem seit 1407 die grösste der Glocken hängt. Unter der Kathedrale liegt eine archäologische Ausgrabungsstätte mit Funden von der Vorgeschichte bis ins Mittelalter.

Das Kirchenschiff ist gratis zugänglich. Der Turmaufstieg kostet 7 Franken. Der Zugang zu den Türmen schliesst 30 Minuten vor der Kathedrale. Aktuelle Zeiten stehen auf der Seite der Stadt Genf.

Die internationale Stadt

Genf beherbergt 34 internationale Organisationen, darunter UNO, WHO, IKRK, WTO, WIPO und die Internationale Fernmeldeunion ITU. 175 Staaten sind in der Stadt vertreten, insgesamt zählt Genf 256 ständige Vertretungen, Repräsentationen und Delegationen. Über 28'000 Menschen arbeiten direkt für internationale Organisationen und akkreditierte Missionen, ihr Beitrag an der Wirtschaftsleistung des Kantons beträgt 9,2 Prozent. Einige Staaten unterhalten ihre diplomatische Vertretung in der Schweiz nicht in Bern, sondern hier.

Die ITU geht auf den Internationalen Telegraphenverein zurück, gegründet am 17. Mai 1865 in Paris. Seit 1947 ist sie eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf und zählt heute 193 Mitgliedstaaten.

Auf beiden Seiten der Mont-Blanc-Brücke stehen feste Fahnenhalter. Meist wechseln sich Schweizer und Genfer Fahnen ab, zu bestimmten Anlässen hängen dort Fahnen internationaler Organisationen, hier die der ITU.

Die erste Mont-Blanc-Brücke aus Blech wurde 1862 gebaut. Nach der Verlegung des Trams 1883 war die Fahrbahn so beschädigt, dass Tragwerk und Belag komplett erneuert werden mussten. Die heutige Brücke stammt von 1903, misst 252 Meter und liegt auf sieben Hauptträgern. Die Betonfahrbahn ist 19 Meter breit, 1967 wurde sie um 6 Meter verbreitert. Brücke, Strasse und Quai tragen den Namen des Massivs, das bei klarer Sicht von hier aus zu sehen ist.

Einkaufen an der Rue de Rive

Die Rue de Rive gehört zu den Rues Basses, der Einkaufsachse unterhalb der Altstadt.Foto: Guilhem Vellut (Quelle, CC BY-SA)

Im März 2026 bewilligte das Stadtparlament einen Kredit von 44,6 Millionen Franken, um das Quartier rund um den Rond-point de Rive in eine Fussgängerzone umzubauen. Vorgesehen sind 132 zusätzliche Bäume an der Rue Pierre-Fatio, der Wegfall von 99 Autoparkplätzen und 255 Plätzen für motorisierte Zweiräder. Das Tram soll auf eigenem Trassee fahren. Die Bauarbeiten sind auf fünf Jahre angelegt, wer in dieser Zeit herkommt, trifft also auf Baustellen. Ein früheres Projekt mit unterirdischem Parkhaus war im März 2021 an der Urne gescheitert.

Praktisches: Anreise und Verkehr

Der Bahnhof Genève-Cornavin ist der Fernverkehrsknoten. Zwischen Genf und Lausanne verkehren sechs Fernverkehrszüge pro Stunde. Seit dem 15. Dezember 2019 verbindet der Léman Express über Genève-Eaux-Vives das Schweizer mit dem französischen Netz bis Annemasse. In der Stadt betreiben die Transports publics genevois vier Tramlinien und sechs Trolleybuslinien, dazu Buslinien. Der Flughafen Genf liegt im Vorort Cointrin und ist der zweitgrösste des Landes.

Genf gilt als eine der Städte mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten. Die Verkehrswege in der Stadt sind stark belastet, Mobilität und Wohnungsnot gehören zu den dauerhaften politischen Themen.

Der Jet d'eau: 140 Meter aus einem Überdruckventil

Der Jet d'eau auf der Jetée des Eaux-Vives erreicht 140 Meter. Rund sieben Tonnen Wasser hängen dauernd in der Luft.Foto: Carolien Coenen (Quelle, CC BY-SA)

Der Jet d'eau stösst 500 Liter Wasser pro Sekunde mit 200 km/h aus und erreicht 140 Meter. Angefangen hat er 1886 als Überdruckventil der Druckwasserleitung, mit der die Genfer Werkstätten ihre Maschinen antrieben: Wenn die Werkstätten abends schlossen, musste der Druck irgendwohin. 1891 versetzte die Stadt die Fontäne ins Seebecken. Die heutige Anlage stammt von 1951, seither wird gefiltertes Seewasser statt Trinkwasser verwendet. Seit 2003 läuft sie das ganze Jahr tagsüber, ausser bei Frost oder starkem Wind. Wer den Steg hinausgeht, wird bei drehendem Wind nass.


Häufige Fragen

Wie viele Einwohner hat Genf?

206'635 Einwohner per 31. Dezember 2023, auf einer Stadtfläche von 15,89 Quadratkilometern. Damit ist Genf nach Zürich die zweitgrösste Stadt der Schweiz und die am dichtesten bevölkerte Gemeinde des Landes. Quelle: Wikipedia.

Was kostet der Aufstieg auf die Türme der Kathedrale Saint-Pierre?

Das Kirchenschiff ist gratis. Der Turmaufstieg über 157 Stufen kostet 7 Franken. Der Zugang zu den Türmen schliesst 30 Minuten vor der Kathedrale. Aktuelle Zeiten und Tarife: geneve.ch.

Läuft der Jet d'eau das ganze Jahr?

Seit 2003 läuft die Fontäne das ganze Jahr tagsüber, ausser bei Frost oder starkem Wind. Zwischen Frühling und Herbst wird sie abends beleuchtet. Wer die Jetée hinausgeht, sollte damit rechnen, bei drehendem Wind nass zu werden.

Brauche ich in Genf ein Ticket für Bus und Tram?

Wer in Genf übernachtet, bekommt die Geneva Transport Card gratis und fährt damit in der Unireso-Zone 10 mit TPG-Bussen und -Trams, SBB-Zügen und den Mouettes genevoises. Alle anderen lösen Einzeltickets an den Automaten an jeder Haltestelle, gültig eine Stunde, oder ein Tagesticket. Entwerten muss man nichts, aufbewahren schon. Details: tpg.ch.

Warum sitzen so viele internationale Organisationen in Genf?

Der Grundstein liegt im 19. Jahrhundert: 1864 wurde Genf Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, von 1920 bis 1946 residierte hier der Völkerbund im Palais Wilson. Heute beherbergt die Stadt 34 internationale Organisationen und 175 vertretene Staaten. Zusammen mit New York gehört Genf zu den wenigen Städten, die Sitz grosser internationaler Organisationen sind, ohne Hauptstadt eines Staates zu sein.

Was wird an der Escalade gefeiert?

Den gescheiterten Überfall der Savoyer auf die Genfer Stadtmauern in einer Dezembernacht 1602. Gefeiert wird jedes Jahr am 12. Dezember. Dazu gehören die Marmites d'Escalade, Töpfe aus Schokolade mit Marzipanfüllung. 1603 anerkannte Savoyen im Vertrag von Saint-Julien die Unabhängigkeit Genfs.

Seit wann gehört Genf zur Schweiz?

Seit dem 12. September 1814: An diesem Tag bestätigte die Tagsatzung die Aufnahme Genfs als 22. Kanton. Der Vereinigungsvertrag wurde am 19. Mai 1815 unterzeichnet. Zuvor war Genf ab 1798 von Frankreich annektiert und Hauptort des Départements Léman. Daran erinnert das Monument national im Jardin anglais.

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